Luxembourg, le 31/07/2010

US-Armee stoppt Rettungsflüge für Verletzte

January 31, 2010

Hilfsorganisationen sind entsetzt: Das US-Militär hat den Transport von Verletzten aus Haiti vorerst ausgesetzt. Grund dafür ist laut “New York Times” ein Streit um die Kosten. Der Gouverneur von Florida, wo viele Opfer behandelt werden, hatte um Klärung gebeten.

Miami – Nach Protesten gegen die Kosten hat das US-Militär den Transport von Verletzten des Erdbebens von Haiti in die USA gestoppt. Die Flüge, die bisher zumeist mit Transportmaschinen vom Typ Hercules C-130 durchgeführt wurden, seien am Mittwoch eingestellt worden, berichtet die “New York Times” unter Berufung auf einen Militärsprecher.

Die Maßnahme sei eine Reaktion auf eine offizielle Anfrage des Gouverneurs des US-Bundesstaats Florida, Charlie Christ, gewesen, schreibt die Zeitung. Der Republikaner habe die Regierung in Washington gebeten, einen Teil der Kosten für die Behandlung der Patienten aus Haiti zu übernehmen. Bisher sind demnach 500 Erdbebenopfer in Krankenhäusern in Florida behandelt worden. “Man hat uns mitgeteilt, dass es Pläne gibt, täglich zwischen 30 und 50 Patienten in kritischem Zustand hierherzubringen, und das auf unbegrenzte Zeit”, hatte Christ an die Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius geschrieben. “Florida hat dafür keine Kapazitäten.”

Die Kostenfrage scheint aber noch ungeklärt zu sein. Der Zeitung zufolge geht es dabei möglicherweise um mehrere Millionen Dollar. “Florida ist bereit, seinen Nachbarn in Haiti zu helfen”, zitiert die Zeitung einen Sprecher des Gouverneurs. “Wir brauchen aber einen Einsatzplan und eine Regelung, wie wir die Kosten für die Behandlung erstattet bekommen.”

Größere Ausgaben könnten Gouverneur Christ in Bedrängnis bringen. Einerseits leidet der Bundesstaat am Südostzipfel der USA ohnehin unter den Folgen der Finanzkrise. Andererseits ist Christ auf eine gute Außenwirkung angewiesen: Im November muss ein Senatssitz in Florida neu besetzt werden – und den hätte Christ gern. Er hatte zuvor angekündigt, nicht erneut bei den zeitgleich stattfindenden Gouverneurswahlen antreten zu wollen, obwohl eine zweite Amtszeit theoretisch möglich wäre.

Über den radikalen Stopp der Rettungsflüge ist man aber nun offenbar selbst im Team des Gouverneurs überrascht. Möglicherweise habe Christs Schreiben für “Verwirrung” gesorgt, sagte sein Sprecher. Wer genau die Maßnahme veranlasst und wie es dazu gekommen sei, konnte er nicht erklären. Nach Angaben der “New York Times” wurde die Entscheidung auf militärischer Ebene getroffen. Ein Sprecher sagte, man habe nur darauf reagiert, dass die Krankenhäuser keine Patienten mehr aufnehmen wollten. Das wiederum bestreiten laut dem Bericht die Kliniken, zumindest die in Florida.

Quelle: spiegel.de