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	<title>Haïti.lu &#187; Dossiers thématiques</title>
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	<description>présenté par AAH et OTM</description>
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		<title>Flasche leer, Mauer hoch</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 09:25:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dossiers thématiques]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie sind in vielen Ländern ein Müllproblem – dabei sind Plastikflaschen ein hervorragendes Baumaterial. Für Haiti wäre es ideal geeignet.

PET-Flaschen sind in Entwicklungsländern ein großes Müllproblem. Mit Schutt und Sand gefüllt werden sie zum Ziegelersatz.
Honduras, 2005. Ein elendes Dorf im Norden der Provinz Yoro. Ein komischer Deutscher läuft mit Prospekten herum. Armen, Arbeitslosen, Tagelöhnern, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Sie sind in vielen Ländern ein Müllproblem – dabei sind Plastikflaschen ein hervorragendes Baumaterial. Für Haiti wäre es ideal geeignet.</h4>
<p><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/pet-haeuser.jpg-540x304.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-811" title="pet-haeuser.jpg-540x304"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-812" title="pet-haeuser.jpg-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/pet-haeuser.jpg-540x304-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">PET-Flaschen sind in Entwicklungsländern ein großes Müllproblem. Mit Schutt und Sand gefüllt werden sie zum Ziegelersatz.</p>
<p style="text-align: justify;">Honduras, 2005. Ein elendes Dorf im Norden der Provinz Yoro. Ein komischer Deutscher läuft mit Prospekten herum. Armen, Arbeitslosen, Tagelöhnern, die in provisorischen Bruchhütten leben, zeigt er Bilder von schmucken bunten Häuschen. »So eins könnt ihr auch haben«, verkündet er den verblüfften Dorfbewohnern. Er wird nicht unbedingt glaubwürdiger, als er erklärt, woraus die Häuser gebaut und was die Voraussetzungen sind: Man braucht viele Leute. Die müssen viel Zeit haben. Und zum Bauen nimmt man leere Plastikflaschen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der schräge Vogel heißt Andreas Froese, ist 53, ein Spanisch sprechender Westfale aus Herford. Froese hatte schon immer ein Faible für Lateinamerika. In den Achtzigern unterstützte er mit der Waffe in der Hand die Sandinisten und erkannte: »Bewaffnete Hilfe ist nicht der Weg.« Er kam nach Deutschland zurück mit der Erkenntnis, dass die Armen dort vor allem Essen brauchen, ein Dach über dem Kopf und Schulen. Für den gelernten Zimmermann hieß die Konsequenz: Ich will nicht für Reiche bauen. Sondern für die, die mit ihren Familien, bedroht von Niederschlägen, Stürmen, Erdbeben und Gewehrkugeln, in einem Verschlag hausen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">In Deutschland beschäftigte sich Froese fortan mit ökologischer Stadterneuerung. Er riss alte Häuser kontrolliert ab und sorgte dafür, dass brauchbares Baumaterial wie Steine, Fenster oder Elektrokabel gerettet und recycelt wurde. Am Ende war er Chef von 500 Leuten in einem Joint Venture mit der Stadt Kiew – wiederverwendbare Bauabfälle wurden hierzulande aussortiert und in der Ukraine verbaut.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch es zog Froese immer wieder nach Mexiko, Honduras, Kolumbien. Er arbeitete mit behinderten Kindern und kriminellen Jugendlichen, gründete eine Firma, in der Behinderte davon leben, dass sie Kompost herstellen. Er beriet Entwicklungshilfeprojekte. Irgendwann war er bei der Anlage eines ökologischen Freizeitparks in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa engagiert. Nach einer großen Feier mit Zehntausenden Teilnehmern blickte er auf deren Hinterlassenschaften: Polyethylenterephthalat. Zehntausende leere PET-Flaschen flogen in der Gegend herum. Und das nicht nur hier. Überall im Land. In allen Drittweltländern. Milliardenfach verdrecken die leichten Plastikflaschen Länder, Flüsse, Strände, Ozeane. Da hatte Froese eine Idee.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Dorfversammlung hat entschieden. Drei Häuser soll Andreas Froese bauen. Man hatte eine Abordnung in die Stadt geschickt, die sich diese seltsamen Plastikflaschenhäuser anschauen sollte. Die Leute kamen beeindruckt zurück. Richtige Häuser! Nicht zuletzt hat auch das Engagement der irisch-katholischen Entwicklungsorganisation Trocaire überzeugt, die Geld bereitstellen will. José und Ana gehören zu den Erwählten. Der erste Schritt ist der schwerste. Um einen Bauplatz zu bekommen, müssen sie ihr altes Elendsquartier abfackeln. Eine Vertrauensübung. Sie bekommen für die Bauzeit einen Notverschlag.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Fundament wird gegossen. Ein Lkw kommt aus der nächsten Stadt. Randvoll mit Plastikflaschen. Dann gibt es Arbeit für das ganze Dorf. Alt und Jung werfen Erde und Bauschutt durch große Siebe. Flasche für Flasche wird mit Dreck gefüllt – das ergibt das neue Baumaterial. Maurer kommen und zeigen den Dorfleuten, wie man die Flaschen aufeinanderschichtet, mit Lehm oder Mörtel vermauert und mit alter Nylonschnur oder Stacheldraht von der Müllkippe verbindet. José und Ana sehen zum ersten Mal in ihrem Leben eine Maurerkelle und eine Wasserwaage. Wände entstehen, mit Fenstern, an den Ecken aus Flaschen gemauerte Rundpfosten, obendrauf kommt ein Blechdach. Am Ende wird das Ganze mit Lehm verschmiert und angemalt. Fertig.</p>
<p style="text-align: justify;">
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/ana-steckt-altes-haus-an-540x304.jpg" title="José und Ana (im Bild), ein Paar aus Guatemala bekommen ein Haus aus PET-Flaschen. Um Platz dafür zu schaffen, muss die alte Hütte weichen." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="ana-steckt-altes-haus-an-540x304" alt="ana-steckt-altes-haus-an-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_ana-steckt-altes-haus-an-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/alte-hatte-neuer-baustoff-540x304.jpg" title="Nun muss das ganze Dorf mit anpacken: Hunderte Plastikflaschen werden mit Bauschutt und Erde gefüllt und dienen so als Ziegelersatz." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="alte-hatte-neuer-baustoff-540x304" alt="alte-hatte-neuer-baustoff-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_alte-hatte-neuer-baustoff-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/hausbau-540x304.jpg" title="Maurer zeigen den Dorfbewohnern, wie man die Flaschen aufeinanderschichtet. Sie werden mit Lehm oder Mörtel vermauert, als Befestigung dienen ausserdem alte Nylonschnüre und Draht." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="hausbau-540x304" alt="hausbau-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_hausbau-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/hausbau-2-540x304.jpg" title="So entstehen Wände mit Fenstern und Ecken aus gemauerten Rundpfosten." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="hausbau-2-540x304" alt="hausbau-2-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_hausbau-2-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/haus-fertig-540x304.jpg" title="Dann wird das ganze verputzt und obendrauf kommt noch ein Dach aus Wellblech." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="haus-fertig-540x304" alt="haus-fertig-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_haus-fertig-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/buntes-pet-haus-540x304.jpg" title="Mit Farbe angestrichen ist das Flaschenhaus kaum von normalen Häusern zu unterscheiden." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="buntes-pet-haus-540x304" alt="buntes-pet-haus-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_buntes-pet-haus-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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<p style="text-align: justify;">Die Idee, herumfliegende Plastikflaschen zu füllen und als Bausteine zu nutzen, hatten auch andere. <a  href="http://www.united-bottle.org/" target="_blank">2008 konnte man auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos das Projekt United_Bottle der deutschen Architekten Dirk Hebel und Jörg Stollmann kennenlernen.</a> Im Unterschied zu Froese planten die beiden jedoch mit speziell designten Flaschen, die man ineinanderstecken kann. Die United_Bottle setzt den guten Willen der Getränkehersteller voraus. Andreas Froese konnte dagegen mit dem vorhandenen Material, das normalerweise die Erdoberfläche verschmutzt, sofort anfangen. <a  href="http://www.eco-tecnologia.com/portal/intro.php" target="_blank">Schon 2001 gründete er in Honduras die Firma ECO-TEC</a>.</p>
<p style="text-align: justify;">Fünfzig Bauten hat ECO-TEC mittlerweile realisiert, in Honduras, Kolumbien oder Indien. Darunter sind auch Wassertanks für 1600 oder 24.000 Liter – die verschnürte und verschmierte Konstruktion aus PET-Flaschen hält selbst hier. Meist aber baut ECO-TEC Wohnhäuser. Nur wenn Behörden auf einen offiziellen Nachweis der Erdbebensicherheit bestehen, muss Froese passen. Um solche Formalitäten hat er sich noch nie gekümmert, er verweist nur darauf, dass seine Bauwerke Erdbeben bis zur Stärke 7,3 ohne Schaden überstanden haben. Oder dass ein Haus tagelang bis zum Dach in einem über die Ufer getretenen Fluss stand – und danach nur gereinigt werden musste. Die Ursache für diese Standfestigkeit sieht Froese in der Flexibilität seiner PET-Häuser. Offenbar kommt eine nachgiebige Konstruktion besser mit rabiaten Naturgewalten zurecht als starrer Beton.</p>
<p style="text-align: justify;">In Yoro standen 2005 nach vier Monaten drei schmucke Neubauten. Jedes Haus hatte gerade mal 3000 Dollar gekostet, Geld, das von der Entwicklungsorganisation Trocaire gekommen war. Denn für Arme ist auch diese Summe unerschwinglich. Zinn fürs Dach, Zement und Kies kosten Geld, auch wenn ansonsten Müll verbaut wird. Zur Not lässt sich ein Dach ebenso aus alten Schläuchen von Autoreifen basteln, und statt Zement tut es Lehm, der leicht nachzubessern ist. Der größte Triumph erwartet Andreas Froese indes ein paar Jahre später. Da erfährt er, dass ohne jede externe Hilfe die Dorfbewohner im weiten Umkreis mindestens acht weitere Plastikflaschen-Häuser gebaut haben. Die haben das gelernt!</p>
<p style="text-align: justify;">»Ein Junge, der mit mir in Bolivien zusammen ein Haus gebaut hat, war zwei Jahre später ein Maurer!«, sagt Froese stolz. Er baut eben nicht nur gemeinsam mit Armen Häuser, er initiiert auch soziale Prozesse. Wie stolz die Leute sind, wenn sie erstmals aus eigener Kraft so ein Projekt realisieren! Als Nebeneffekt fällt womöglich eine Professionalisierung ab.</p>
<p style="text-align: justify;">Andreas Froese ist derzeit in Deutschland unterwegs. Ein Film über ihn entsteht. Er sucht den Kontakt zu den Medien. Zwar hat er einige Preise und Auszeichnungen erhalten – doch nur in Mittelamerika. Die großen internationalen Hilfsorganisationen kennen ihn und seine Arbeit, die er auf<a  href="http://www.eco-tecnologia.com/">www.eco-tecnologia.com</a> präsentiert, kaum. Dabei könnten gerade im Augenblick viele Menschen von seiner Erfindung profitieren. In Haiti droht nach dem schrecklichen Erdbeben die nächste Katastrophe, wenn im Mai die Regenzeit beginnt und danach die Hurrikan-Saison einsetzt. Millionen haben kein Dach über dem Kopf. PET-Flaschen aber gibt es in dem Karibikstaat genug.</p>
<p style="text-align: justify;">Bevor das ECO-TEC-Haus aber nennenswerter Bestandteil großer Hilfsprogramme werden kann, braucht es Architekten und Baufachleute, welche die bisherigen empirischen Ergebnisse und gefühlten Qualitäten des Bauens mit PET-Flaschen überprüfen: Statik, Sicherheit, Alterungsverhalten und anderes mehr. Andreas Froese hofft, unter den Experten in Forschung und Lehre Gleichgesinnte zu finden: »Es geht nicht darum, Leuten Häuser zu bauen, die schon eins haben.«</p>
<p style="text-align: justify;">source: <a  href="http://www.zeit.de/2010/09/PET-Haus?page=1" target="_blank">www.zeit.de </a></p>
<p style="text-align: justify;">Bildquelle: <a  href="http://www.zeit.de/2010/09/PET-Haus?page=1" target="_blank">www.die zeit.de</a></p>
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		<title>Nicht nur Reis verteilen</title>
		<link>http://www.haiti.lu/2010/03/nicht-nur-reis-verteilen/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 16:43:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dossiers thématiques]]></category>
		<category><![CDATA[Séisme en Haïti]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach dem Erdbeben in Haiti erwartet die Welt schnelle Erfolge. Doch wirksame Hilfe braucht Zeit!
Minuten nachdem die Erde in Haiti bebte, erreichen die ersten Bilder den Rest der Welt. Die Hilfsmaßnahmen können sofort eingeleitet, die Flugzeuge ohne Probleme gechartert werden. Alle landen geordnet auf dem Flughafen von Port-au-Prince, die Straßen werden flugs frei geräumt und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Nach dem Erdbeben in Haiti erwartet die Welt schnelle Erfolge. Doch wirksame Hilfe braucht Ze</strong>it!</h3>
<p style="text-align: justify;"><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/anstehen-fuer-essen-in-petionville.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-807" title="anstehen fuer essen in petionville"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-808" title="anstehen fuer essen in petionville" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/anstehen-fuer-essen-in-petionville-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Minuten nachdem die Erde in Haiti bebte, erreichen die ersten Bilder den Rest der Welt. Die Hilfsmaßnahmen können sofort eingeleitet, die Flugzeuge ohne Probleme gechartert werden. Alle landen geordnet auf dem Flughafen von Port-au-Prince, die Straßen werden flugs frei geräumt und Nahrungsmittel ohne großen Koordinierungsbedarf an die bedürftigen Menschen verteilt, die gelassen und geduldig auf Nahrung und Wasser warten. Innerhalb von wenigen Tagen ist die Katastrophe unter Kontrolle.</p>
<p style="text-align: justify;">Diese Erwartungshaltung scheint die Welt zu haben. Dank der bewegenden Bilder aus Haiti ist tatsächlich eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst worden, wie es sie seit dem Tsunami 2004 nicht mehr gegeben hat. Nach einer Katastrophe dieser Größenordnung ist für Misereor und andere Hilfsorganisationen eine unmittelbare Berichterstattung wichtig, weil sie die Hilfsbereitschaft der Menschen in Deutschland weckt. Ohne Spenden wäre keine Hilfe möglich. Doch je größer die internationale Aufmerksamkeit, desto größer die Gefahr, dass Krisen und Katastrophen eine Eigendynamik entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum ohnehin großen Zeitdruck gesellt sich innerhalb kürzester Zeit der Erfolgsdruck – und bei hohem Spendenaufkommen auch der Zwang, sehr viel Geld in kurzer Zeit wirkungsvoll in Nothilfe umzusetzen. »Bei vielen Menschen ist die Hilfe noch nicht angekommen. Wie erklären Sie sich das?«, fragt uns schon drei Tage nach dem Beben der Reporter eines Fernsehsenders. Die Öffentlichkeit will Ergebnisse sehen. Und zwar schnell, möglichst 24 Stunden nach der Katastrophe. Jede Negativmeldung von unkoordinierter Hilfe, Gewaltausbrüchen auf Haitis Straßen und Menschen, die bei einer Verteilungsaktion leer ausgegangen sind, wird ausgiebig dokumentiert und kommentiert, nach dem Motto: Es wurde schnell gespendet, warum klappt die Hilfe jetzt nicht schnell?</p>
<p style="text-align: justify;">Die Erwartungshaltung, die hier aufgebaut wird, ist unrealistisch und kontraproduktiv. Eine Millionenstadt, die aussieht, als sei sie bombardiert worden, ein zerstörtes UN-Hauptquartier mit Hunderten toter UN-Mitarbeiter, eine handlungsunfähige Regierung, Tausende Verletzte – das sind die Probleme, mit denen die Hilfswerke und ihre Partner am Schauplatz einer Katastrophe zu kämpfen haben, abgesehen von zunächst nicht funktionierenden Banküberweisungen, zusammengebrochenen Telefon- und Handynetzen und ganz zu schweigen von getöteten und verletzten Mitarbeitern und Freunden vor Ort, Menschen, um die die Helfer selbst trauern.</p>
<p style="text-align: justify;">Angesichts der großen Not in den ersten Tagen nach einer Katastrophe ist es für die Hilfswerke schwer, den Drang zum blinden Aktionismus bei der Umsetzung von Projekten zurückzudrängen und dies auch noch Journalisten und Spendern verständlich zu machen. Die Realität sieht nun einmal anders aus, als blauäugige Beobachter es erwarten, und muss entsprechend erklärt werden, damit die vielen hilfsbereiten Spender in Deutschland nachvollziehen können, ob sinnvolle Nothilfe und nachhaltige Wiederaufbauhilfe geleistet werden. Sorgfältige Planung und gute Absprachen der Handelnden brauchen auch in der Nothilfe Zeit. Ein an den Bedürfnissen und Potenzialen der betroffenen Menschen ansetzender Wiederaufbau, der wirkliche Verbesserungen bringt, braucht noch viel mehr Zeit. Man denke nur an die gravierenden Fehler, die nach dem Tsunami 2004 im Indischen Ozean zu beobachten waren: Da wurden Menschen einfach Hilfsprogramme übergestülpt, ohne sie zu fragen, was nötig ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn die Bevölkerung auch Monate nach der Katastrophe Essenslieferungen bekommt, obwohl sie sich längst wieder selbst versorgen könnte, ist das nicht nur ein vergebliches Bemühen, sondern ein Skandal. Denn die kostenlosen Nahrungsmittel zerstören regionale Handelsstrukturen, entziehen den lokalen Bauern ihre Lebensgrundlage und vergrößern den Schaden damit beträchtlich. Sie verhindern Entwicklung! Wenn Geld und Helfer massiv von außen in eine Krisenregion einströmen, ist die Gefahr groß, dass nicht nur das örtliche Preissystem völlig aus den Fugen gerät, sondern – noch viel gravierender – dass auch die Selbstständigkeit und Eigeninitiative der Menschen zugeschüttet werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die erste und wichtigste Nothilfe, die für Kameras oft nicht zu sehen ist, wird von den einheimischen Partnern der Hilfswerke und den Betroffenen selber geleistet. Doch häufig wird das Selbsthilfepotenzial der Bevölkerung nicht hinreichend wahrgenommen, kulturelle Vertrautheit, Sprach- und Ortskenntnisse sowie die Einbeziehung der vorhandenen Strukturen und Organisationsprozesse scheinen zu fehlen oder kaum eine Rolle zu spielen. Den Satz »Die Hilfsorganisationen XY liefern 50 Tonnen Lebensmittel in die betroffenen Gebiete« versteht jeder – und er lässt sich daher spendenwirksam kommunizieren. Viel schwieriger ist es dagegen, zu erklären, dass schon von Beginn der Katastrophe an die Selbsthilfekräfte mobilisiert werden müssen und dass die Menschen am Unglücksort nicht nur die erste Nothilfe, sondern auch den Neubeginn selbst in die Hand nehmen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Erst recht kompliziert wird es, wenn man vermitteln will, dass man keine Lebensmittel oder Fertighäuser einfliegt, sondern in Zusammenarbeit mit ortskundigen Partnern den Transport von Nahrungsmitteln aus Nachbarregionen oder die Beschaffung von lokalem Baumaterial organisiert – und dass dabei deutsche Helfer nicht zwingend gebraucht werden. Diese Bilder werden aber kaum gezeigt, vielleicht auch, weil sie wenig Identifikationsmöglichkeiten bieten. Wichtiger scheint es stattdessen zu sein, den deutschen Helfer mit dem deutschen Schäferhund zu zeigen, der nach Verschütteten sucht. Damit soll nicht der bewunderungswürdige und professionelle Einsatz vieler ausländischer Kräfte infrage gestellt werden. Aber diese Art der Berichterstattung blendet systematisch aus, dass die entscheidenden Nothelfer und Lebensretter der ersten Stunden die Überlebenden selbst sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei den enormen Summen, die gespendet werden, ist die Frage nach dem Einsatz der Mittel wichtig und gerechtfertigt. Unrealistischer Zeitdruck jedoch wird weder die Katastrophenhilfe verbessern noch einen sinnvollen Wiederaufbau befördern. Zeit ist eine entscheidende Ressource der Entwicklungszusammenarbeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Entwicklungspolitische Prinzipien umsichtiger und sorgfältiger Planung von Maßnahmen, die von den Betroffenen selbst verantwortet werden, sind auch bei der Nothilfe wichtig. Sie erfüllen, wenn sie richtig verstanden werden, auch eine für die Zukunft wichtige präventive Funktion. So lässt sich eben das Ausmaß neuer Zerstörungen durch Erdbeben wesentlich reduzieren, wenn man erdbebensichere Bautechniken fördert. Und die jetzt für Haiti noch viel drängendere Beantwortung der Frage, wie Ernährungssicherung und Erosionsschutz als Grundlage nachhaltiger ländlicher Entwicklung gelingen kann, muss an die durchaus vorhandenen positiven Ergebnisse der kirchlichen Entwicklungsarbeit in diesem Land anknüpfen.</p>
<p style="text-align: justify;">Es war schon immer schwieriger, komplexe Sachverhalte in den Medien darzustellen als tatsächlich oder nur scheinbar einfache Lösungen. Die (Spenden-)Kommunikation ist eine ebenso große Herausforderung wie der Kampf gegen Not und Armut selbst. Alle Seiten – Hilfsorganisationen, Medien wie auch die Spender – sollten sich daher gemeinsam verantwortlich dafür fühlen, dass eine seriöse Berichterstattung über entwicklungspolitische Zusammenhänge wie über Katastrophen wirklich nur einem Zweck dient: der nachhaltigen Hilfe für und durch die Betroffenen selbst.</p>
<p>source: <a  href="http://www.zeit.de/2010/08/P-op-ed?page=1" target="_blank">diezeit.de</a></p>
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		<title>Raoul Peck zeigt Haiti-Drama</title>
		<link>http://www.haiti.lu/2010/03/raoul-peck-zeigt-haiti-drama/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 15:36:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dossiers thématiques]]></category>

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		<description><![CDATA[Berlin (ddp). Erst wenige Wochen liegt das schwere Erdbeben in Haiti zurück. Das große mediale Interesse für das Schicksal der Menschen dort hat sich wieder gelegt. Umso bedeutender ist, dass auf der Berlinale mit dem Politdrama &#8220;Moloch Tropical&#8221; ein Film läuft, der die prekäre politische Lage der karibischen Republik, die 1804 ihre Unabhängigkeit erlangte, beleuchtet.
Gedreht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/raoul-Peck.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-798" title="raoul Peck"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-799" title="raoul Peck" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/raoul-Peck-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Berlin (ddp). Erst wenige Wochen liegt das schwere Erdbeben in Haiti zurück. Das große mediale Interesse für das Schicksal der Menschen dort hat sich wieder gelegt. Umso bedeutender ist, dass auf der Berlinale mit dem Politdrama &#8220;Moloch Tropical&#8221; ein Film läuft, der die prekäre politische Lage der karibischen Republik, die 1804 ihre Unabhängigkeit erlangte, beleuchtet.</p>
<p style="text-align: justify;">Gedreht wurde der Film, der in der Reihe Berlinale Special läuft, von dem 1953 in Haiti geborenen Regisseur Raoul Peck. Nach &#8220;Haitian Corner&#8221; (1988) und &#8220;Der Mann auf dem Quai&#8221; (1993) realisierte er damit erstmals wieder einen Kinofilm in Haiti. Darin geht es um die letzten 24 Stunden eines demokratisch gewählten Präsidenten vor seinem Sturz. Während der Präsident zu einer Feier auf seiner Bergfestung internationale Gäste erwartet, bricht in der Hauptstadt eine Revolte los, die er von seinen Milizen niederknüppeln lässt.<br />
In &#8220;Moloch Tropical&#8221; wollte Peck hinter die Kulissen der Macht schauen. &#8220;Haiti war dabei für mein Thema nur ein persönliches Laboratorium, das ich gut kenne&#8221;, sagte Peck im ddp-Gespräch. &#8220;Wenn ich von Haiti erzähle, spreche ich zugleich über die Welt.&#8221; Er habe viele Reiseeindrücke und Beobachtungen aus aller Welt in das Drehbuch eingebracht. &#8220;Insofern lässt sich der Film nicht nur auf haitianische Präsidenten beziehen, sondern auch auf Politiker wie Richard Nixon, Bill Clinton, Silvio Berlusconi oder Wladimir Putin.&#8221;<br />
Ihm sei es vor allem darum gegangen, &#8220;das Verhalten der Mächtigen und ihrer Umgebung zu studieren&#8221;. Dabei würden sich viele Mitläufer von Machthabern wie Kinder aufführen, die nicht mehr selber denken könnten: &#8220;Sie machen jeden eigenen Schritt von dem abhängig, was der Machthaber sagt.&#8221; Eines wollte Peck auf jeden Fall vermeiden: den gewählten Präsidenten als Diktator diffamieren. &#8220;Deshalb zeige ich ihn auch als menschliches Wesen mit menschlichen Schwächen&#8221;, sagte der Regisseur. Allerdings arbeite der Film auch heraus, wie leicht Machthaber die Grenzen überschritten und ihre Macht missbrauchten. Etwa in einer schonungslos direkten sexuellen Forderung an Frauen.</p>
<p style="text-align: justify;">Peck kennt das Politikermetier aus eigenen Anschauung. 1996/1997 war er in Haiti Kulturminister. Seitdem ist er davon überzeugt: &#8220;Politik ist die gewalttätigste Welt, die ich kenne. Dort verraten sich sogar die besten Freunde gegenseitig.&#8221; Und wer sein Amt verliere, der sei plötzlich ein Niemand, nach dem sich keiner erkundige.<br />
Als Filmthema ließ Peck, der ein Filmstudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin absolvierte, die Politik aber nicht los. Schon mit seinem zweiten langen Film &#8220;Lumumba &#8211; Tod des Propheten&#8221; (1992) über den zairischen Freiheitskämpfer und Politiker Patrice Lumumba gelang Peck, der als Kind mit seiner Familie nach Kinshasa zog, der internationale Durchbruch. Vor fünf Jahren lief sein erschütterndes Drama &#8220;Sometimes in April&#8221; über den Völkermord in Ruanda im Berlinale-Wettbewerb. Als nächstes Projekt bereitet er einen Spielfilm über den jungen Karl Marx vor.<br />
Derzeit versucht der Filmemacher allerdings vor allem, seinen haitianischen Landsleuten zu helfen. Nur wenige Tage nach dem Erdbeben reiste er nach Haiti und verbrachte dort zwölf Tage. Mitgebracht hat er von dort den Eindruck: &#8220;Es gibt eine große gemeinsame Sehnsucht nach Veränderung und einer Nation mit mehr Gleichheit.&#8221; Dabei könnten auch die westlichen Länder helfen, &#8220;indem sie sehr demütig und aufmerksam zuhören, was die Einheimischen über ihre wahren Bedürfnisse und langfristigen Ziele sagen.&#8221;<br />
ddp/rkr/nat</p>
<p>source: <a  href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/dossiers_spezials/spezialberlinale_2010/2323023_Politischer-Film-Raoul-Peck-zeigt-Haiti-Drama.html" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a></p>
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		<title>Dollars für den Tod &#8211; Pennies für das Leben</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 15:28:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dossiers thématiques]]></category>

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		<description><![CDATA[von Norman Solomon
Norman Solomon ist ein amerikanischer Journalist, Medienkritiker und Antikriegs-Aktivist.
Als das US-Militär am Wochenende (Presidents&#8217;s Day) eine Großoffensive in Südafghanistan startete, war vorauszusehen, dass Frauen und Kinder getötet würden. Vergessen Sie die hehre Rhetorik: Tote dieser Art sind Begleitumstände von Krieg, von Besatzung.
Mitte Januar versprach Präsident Obama $100 000 Millionen Regierungshilfe für das vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/norman-solomon.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-794" title="norman solomon"><img class="alignleft size-full wp-image-795" title="norman solomon" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/norman-solomon.jpg" alt="" width="200" height="132" /></a>von Norman Solomon</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Norman Solomon ist ein amerikanischer Journalist, Medienkritiker und Antikriegs-Aktivist.</em></p>
<p style="text-align: justify;">Als das US-Militär am Wochenende (Presidents&#8217;s Day) eine Großoffensive in Südafghanistan startete, war vorauszusehen, dass Frauen und Kinder getötet würden. Vergessen Sie die hehre Rhetorik: Tote dieser Art sind Begleitumstände von Krieg, von Besatzung.</p>
<p style="text-align: justify;">Mitte Januar versprach Präsident Obama $100 000 Millionen Regierungshilfe für das vom Erdbeben verwüstete Haiti. Vergleichen Sie die Summe mit den $100 Milliarden, die Amerika ausgibt, um 100 000 US-Soldaten ein Jahr lang in Afghanistan zu halten.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Kommandeure in Afghanistan haben eine Operation gestartet, die von der New York Times als &#8220;die größte offensive Militäroperation seit der Afghanistan-Invasion der Koalition unter Führung der USA im Jahr 2001&#8243; bezeichnet wurde.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Situation auf Haiti ist verzweifelt, das ist klar.</p>
<p style="text-align: justify;">Über eine Million Haitianer sind immer noch obdachlos. Das ist eine enorm hohe Zahl. Laut neuesten Schätzungen verfügen die meisten &#8211; rund 75 Prozent &#8211; noch nicht einmal über Zelte oder Planen. Die Regenzeit steht kurz bevor.  Typhus und Durchfallerkrankungen könnten zu einer echten Bedrohung werden.</p>
<p style="text-align: justify;">In Afghanistan gehen die Bomben nicht aus, und in Haiti herrscht tödlicher Mangel an Zelten. Das meine ich nicht rhetorisch. Ich spreche von einer Prioritätensetzung, die schon Routine ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Sommer 2009 sah ich hunderte Kinder und erwachsene Zivilisten in einem Flüchtlingslager in Kabul (Distrikt 5). Sie stammten aus der Provinz Helmand. Die US-Regierung verfügt über ungeheure Ressourcen, um die Wohngebiete dieser Menschen, im Tal von Helmand, zu bombardieren, aber sie tut nichts für die verzweifelten Vertriebenen, die in die Hauptstadt Kabul geflohen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch in Amerika finden sich Parallelen für diese Art der Prioritätensetzung. Die militärischen Falken und die Defizit-Falken marschieren in geschlossener Formation die Pennsylvania Avenue hinunter. Das US-Schatzamt hält hohe Summen für den Krieg in Afghanistan bereit. Wenn es sich um innenpolitische Ausgaben dreht, um die Bedürfnisse der BürgerInnen zu befriedigen &#8211; beispielsweise durch die Schaffung von Arbeitsplätzen -, sieht die Sache dagegen anders aus.</p>
<p style="text-align: justify;">Viele einkommensschwache amerikanische Haushalte werden von der Last der Arbeitslosigkeit erdrückt. Unter den amerikanischen Haushalten, deren Jahreseinkommen 2009 unter $12 500 lag, befanden sich im letzten Quartal des Jahres &#8220;unglaubliche 30,8 Prozent&#8221; Arbeitslosenhaushalte &#8211; so Bob Herbert in einem Artikel vom 9. Februar. &#8220;Das liegt mehr als 5 Prozentpunkte über der allgemeinen Arbeitslosenquote, damals, auf dem Höhepunkt der Depression&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Und Herbert fügt hinzu: &#8220;Die nächst höhere Einkommensklasse &#8211; deren jährliche Einkommen zwischen $12500 und $20 000 liegen -, weist eine Arbeitslosenrate von 19,1 Prozent auf. Es sind Arbeitslosenquoten dieser Art, die Familien, die bereits mit mageren Einkommen zu kämpfen haben, in die Armut stürzen&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Die heutige Situation ist vergleichbar mit der Situation, mit der sich Martin Luther King Jr. 1967 konfrontiert sah. Damals forderte er den Kongress heraus: Dieser zeige sich &#8220;den Armen gegenüber feindselig&#8221;. &#8220;Militärgelder würden emsig und großzügig&#8221; bereitgestellt, während man sich beim Thema &#8220;Armutsfonds&#8221; &#8220;wie Geizhälse&#8221; verhalte.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist diese Art von Prioritätensetzung, die täglich Menschenleben kostet &#8211; hier und an fernen Orten.</p>
<p style="text-align: justify;">Anfang Februar veröffentlichte der &#8216;National Council of Churches&#8217; &#8211; der nationale Rat der amerikanischen Kirchen &#8211; einen Artikel der Theologen George Hunsinger und Michael Kinnamon, in dem sie schrieben: &#8220;Was die Haitianer offensichtlich am meisten brauchen, ist massive humanitäre Hilfe. Sie benötigen, Nahrung, Wasser, medizinische Versorgungsgüter. Sie benötigen Unterkünfte und materiellen Wiederaufbau&#8230; Mehr als die Hälfte der Haitianer sind Kinder -  15 Jahre alt oder jünger. Viele von ihnen waren schon obdachlos und hungrig, bevor das Erdbeben zuschlug&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch dieser Kriegsstaat &#8211; mit seinem enormen Budget für militärische Aufgaben &#8211; hat sehr wenig Geld für den Erhalt von Menschenleben übrig. Solche Prioritätensetzungen sind tödlich.</p>
<p style="text-align: justify;">source: <a  href="http://zmag.de/autoren/Norman-Solomon" target="_blank">znet</a></p>
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		<title>Stimmen aus den Lagern Haitis / Three in a Million: Voices from a Haitian Camp</title>
		<link>http://www.haiti.lu/2010/03/stimmen-aus-den-lagern-haitis/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 15:19:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dossiers thématiques]]></category>
		<category><![CDATA[Séisme en Haïti]]></category>

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		<description><![CDATA[von Bill Quigley
übersetzt von Andrea Noll
Laut UNO leben derzeit 1,2 Millionen Menschen in &#8220;spontanen Siedlungen&#8221; beziehungsweise Obdachlosen-Lagern rund um Port-au-Prince. Der Autor sprach mit Drei von ihnen &#8211; bevor der Starkregen einsetzte.
JEAN DORA, 71 Jahre
Mein Name ist Jean Dora. Ich wurde 1939 geboren. Ich wohne auf einem Platz vor der Kirche St. Pierre in Petionville [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><em><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/lager-haiti.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-788" title="Haiti Earthquake"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-792" title="Haiti Earthquake" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/lager-haiti-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>von Bill Quigley</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>übersetzt von Andrea Noll</em></p>
<p style="text-align: justify;">Laut UNO leben derzeit 1,2 Millionen Menschen in &#8220;spontanen Siedlungen&#8221; beziehungsweise Obdachlosen-Lagern rund um Port-au-Prince. Der Autor sprach mit Drei von ihnen &#8211; bevor der Starkregen einsetzte.</p>
<h2 style="text-align: justify;">JEAN DORA, 71 Jahre</h2>
<p style="text-align: justify;">Mein Name ist Jean Dora. Ich wurde 1939 geboren. Ich wohne auf einem Platz vor der Kirche St. Pierre in Petionville (vor den Toren von Port-au-Prince). Ich lebe hier gemeinsam mit zwölf Angehörigen. Wir alle haben unser Heim verloren.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir besitzen eine Plane aus grünem Plastik, um uns vor der Sonne zu schützen. Wir haben unseren Raum durch einige Betttücher rundum abgegrenzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Meine kleinen Enkel leben hier bei mir. Auch mein Sohn und meine Töchter leben bei mir.</p>
<p style="text-align: justify;">Meine Tochter wird bald ein Kind gebären. Wenn die Zeit für das Baby gekommen ist, wird sie in das Rot-Kreuz-Zelt gehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich habe 36 Jahre lang in der Chinesischen Botschaft gearbeitet. Ich machte deren Büros sauber. 2007 ging ich in Rente. Bis zu diesem Erdbeben lebte ich mit meiner Familie in einem Apartment. Das Gebäude wurde zerstört.</p>
<p style="text-align: justify;">Nachts legen wir einen Teppich auf die Erde. Wir legen Decken darauf und versuchen zu schlafen. Wenn es regnet, dringt Wasser ein.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir holen uns Flaschen, die wir mit Wasser füllen, aber wir haben sehr wenig zu essen.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt in diesem Park keine Toiletten. Wir müssen hinter die Kirche gehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Mein Sohn hat gearbeitet und uns versorgt. Er ist ein guter Koch. Er arbeitete in einem Restaurant des Hotel Montana. Das Restaurant wurde zerstört. Er hat seinen Arbeitsplatz verloren. Es gibt keine Arbeit.</p>
<p style="text-align: justify;">In all meinen Jahren habe ich so etwas noch nicht gesehen. Ich kann nicht wirklich sagen, was als Nächstes geschehen wird. Ich denke, die Dinge werden sich nicht ändern. Ich hoffe, dass es besser wird, aber ich glaube es nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Mein Sohn hat keinen Job mehr und kann unsere Familie nicht unterstützen. Wenn mein Sohn Arbeit bekommt, können wir alle aufstehen. Wenn er nicht arbeitet, liegen wir darnieder.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Zukunft ist ungewiss. Es sieht düster aus für uns.</p>
<h2 style="text-align: justify;">NADEGE DORA, 28 Jahre</h2>
<p style="text-align: justify;">Mein Name ist Nadege Dora. Ich bin 28 Jahre alt. Ich habe drei Jungen und ein Mädchen. In diesem Monat soll mein Baby kommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich lebe mit dem Rest meiner Familie auf diesem Platz hier in Petionville. Unser Haus wurde zerstört. Früher habe ich auf der Straße Brot verkauft, um etwas Geld zu verdienen. Der Vater meiner Kinder unterstützt uns nicht. Es ist, als existierten wir für ihn nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir versuchen einfach nur zu überleben. Keiner in der Familie hat Arbeit. Es gibt keine Arbeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn du eine (Lebensmittel-)Karte kriegst, kannst du dir einen Sack Reis abholen. Aber ich bin eine schwangere Frau, ich kann nicht mit der Menge um eine Karte kämpfen. Ich habe es versucht, aber die Leute haben mich eingequetscht, und ich hatte Angst, niedergeschlagen und zerquetscht zu werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Meine Nichte hat einer Frau geholfen, Reis aus Delmas (einem anderen Stadtviertel von Port-au-Prince) zu holen. Sie hat den Reis mit uns geteilt. Wir haben bis noch ein wenig davon, aber wir haben kein Öl, kein Fleisch, keine Milch &#8211; nichts als Reis. Wir haben kein Geld, um andere Zutaten zu kaufen.</p>
<p style="text-align: justify;">Seit dem Erdbeben hatte ich noch nie eine vollwertige Mahlzeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn mein Baby kommt, werde ich zum Roten Kreuz gehen und es gebären. Ich war dort, um zu einem Doktor zu gehen. Sie gaben mir ein paar Pillen. Die Pillen machten mich krank.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Bürgermeister war hier und fragte die Leute, ob sie Verwandte auf dem Land hätten. Man würde uns helfen, dorthin zu kommen. Aber wir wollen nicht aufs Land. Wir kennen dort keinen. Wir brauchen ein besseres Leben &#8211; besser als das hier.</p>
<h2 style="text-align: justify;">GARRY PHILIPPE, 47 Jahre</h2>
<p style="text-align: justify;">Ich heiße Garry Philippe und bin 47 Jahre alt. Ich lebe neben dem Eingang zum Flughafen. Ich habe mir ein eigenes Zelt gebaut. Ich band ein Tuch an einen Baum und steckte Stecken in die Erde, um weitere Tücher befestigen zu können.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich lebe hier mit meinen fünf Kindern. Meine Frau wurde bei dem Vorfall (Erdbeben) in unserem Haus getötet. Das Haus gehörte mir. Ich habe über vier Jahre daran gebaut &#8211; Schritt für Schritt, wie ich eben Geld hatte. Ich war im Freien, als es passierte. Meine Mädchen standen an der vorderen Haustür. Sie rannten heraus. Meine Frau rannte zurück, um den Jungs zu helfen und starb.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gab keine Beerdigungsfeier für meine Frau, weil wir kein Geld für eine Beerdigung hatten. Ich habe sie selbst beerdigt &#8211; auf einem Friedhof (nahe dem Armenviertel) Cite Soleil.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Kinder können nicht begreifen, dass ihre Mutter einfach weg sein soll. Sie denken immer an sie.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir haben keine Betten. Wenn es Zeit zum schlafen ist, legen wir unsere Taschen auf die Erde. Wir legen unsere Decken auf die Taschen und schlafen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir waschen uns mit Wasser, das wir zuvor in eine Flasche gefüllt haben. Wir stellen uns in einen Topf und schütten das Wasser über uns.</p>
<p style="text-align: justify;">Als es einmal regnete, gingen wir an einen Ort, wo ein Plastikzelt stand. Wir blieben dort, bis der Regen wieder aufhörte. Mehr als 20 Menschen befanden sich in dem Zelt.</p>
<p style="text-align: justify;">Früher arbeitete ich als Mechaniker in einer Autowerkstatt. Aber mein Arbeitsplatz ist zerstört. Seit dem Erdbeben gibt es keine Arbeit mehr.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir haben gehört, dass es in anderen Lagern Reissäcke geben soll. In unserem Lager gibt es nichts. Ich bitte Freunde um Nahrung. Manchmal gibt uns jemand etwas zu essen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir haben keine Toiletten hier im Lager. Wenn wir aufs Klo müssen, nehmen wir eine Tasche. Wir bringen die Tasche an den Rand des Lagers. Er ist circa eine Minute zu Fuß entfernt.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir sehen, wie die Laster in den Flughafen hinein fahren und wieder heraus. Es sind viele Laster, aber sie halten nicht für uns.</p>
<p style="text-align: justify;">Hier ist es nicht sicher. Doch was kann ich tun? Ich akzeptiere es. Es ist Gottes Werk. Im Lager beten wir gemeinsam.</p>
<p style="text-align: justify;">Niemand ist bislang zu uns gekommen, um uns zu sagen, was geschieht. Wir wissen nicht, wo es Zelte oder Planen gibt. Es gibt keine Schule für die Kinder.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich kann Ihnen nicht genau sagen, was als Nächstes passieren wird. Ich bin nicht Jesus. Ich denke, es wird für uns noch schlimmer kommen in den Lagern. Wir brauchen Zelte und Nahrungsmittel. Wir brauchen Wasser und eine Schule und Arbeit. Wir brauchen Hilfe, um einen Platz zu finden, an dem wir bleiben können. Bald wird der Regen kommen. Das Wasser wird kommen, und die Babys werden sterben.</p>
<p style="text-align: justify;">Bill Quigley (quigley77@gmail.com) ist der Leiter der Rechtsabteilung des amerikanischen &#8216;Center for Constitutional Rights&#8217; und ein langjähriger Menschenrechtsanwalt. Dieser Artikel entstand mit Hilfe von Vladimir Laguerre in Port-au-Prince.</p>
<p style="text-align: justify;">source: <a  href="http://zmag.de/artikel/stimmen-aus-den-lagern-haitis" target="_blank">znet</a></p>
<p style="text-align: justify;">Bildquelle: <a  href="http://www.epochtimes.de/pics/2010/01/25/xxl/2010-01-25-xxl--20100122220236_Haiti_Earthquake_HTGH104_new.jpg" target="_blank">www.epochtimes.de</a></p>
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