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		<title>Flasche leer, Mauer hoch</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 09:25:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dossiers thématiques]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie sind in vielen Ländern ein Müllproblem – dabei sind Plastikflaschen ein hervorragendes Baumaterial. Für Haiti wäre es ideal geeignet.

PET-Flaschen sind in Entwicklungsländern ein großes Müllproblem. Mit Schutt und Sand gefüllt werden sie zum Ziegelersatz.
Honduras, 2005. Ein elendes Dorf im Norden der Provinz Yoro. Ein komischer Deutscher läuft mit Prospekten herum. Armen, Arbeitslosen, Tagelöhnern, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Sie sind in vielen Ländern ein Müllproblem – dabei sind Plastikflaschen ein hervorragendes Baumaterial. Für Haiti wäre es ideal geeignet.</h4>
<p><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/pet-haeuser.jpg-540x304.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-811" title="pet-haeuser.jpg-540x304"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-812" title="pet-haeuser.jpg-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/pet-haeuser.jpg-540x304-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">PET-Flaschen sind in Entwicklungsländern ein großes Müllproblem. Mit Schutt und Sand gefüllt werden sie zum Ziegelersatz.</p>
<p style="text-align: justify;">Honduras, 2005. Ein elendes Dorf im Norden der Provinz Yoro. Ein komischer Deutscher läuft mit Prospekten herum. Armen, Arbeitslosen, Tagelöhnern, die in provisorischen Bruchhütten leben, zeigt er Bilder von schmucken bunten Häuschen. »So eins könnt ihr auch haben«, verkündet er den verblüfften Dorfbewohnern. Er wird nicht unbedingt glaubwürdiger, als er erklärt, woraus die Häuser gebaut und was die Voraussetzungen sind: Man braucht viele Leute. Die müssen viel Zeit haben. Und zum Bauen nimmt man leere Plastikflaschen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der schräge Vogel heißt Andreas Froese, ist 53, ein Spanisch sprechender Westfale aus Herford. Froese hatte schon immer ein Faible für Lateinamerika. In den Achtzigern unterstützte er mit der Waffe in der Hand die Sandinisten und erkannte: »Bewaffnete Hilfe ist nicht der Weg.« Er kam nach Deutschland zurück mit der Erkenntnis, dass die Armen dort vor allem Essen brauchen, ein Dach über dem Kopf und Schulen. Für den gelernten Zimmermann hieß die Konsequenz: Ich will nicht für Reiche bauen. Sondern für die, die mit ihren Familien, bedroht von Niederschlägen, Stürmen, Erdbeben und Gewehrkugeln, in einem Verschlag hausen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">In Deutschland beschäftigte sich Froese fortan mit ökologischer Stadterneuerung. Er riss alte Häuser kontrolliert ab und sorgte dafür, dass brauchbares Baumaterial wie Steine, Fenster oder Elektrokabel gerettet und recycelt wurde. Am Ende war er Chef von 500 Leuten in einem Joint Venture mit der Stadt Kiew – wiederverwendbare Bauabfälle wurden hierzulande aussortiert und in der Ukraine verbaut.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch es zog Froese immer wieder nach Mexiko, Honduras, Kolumbien. Er arbeitete mit behinderten Kindern und kriminellen Jugendlichen, gründete eine Firma, in der Behinderte davon leben, dass sie Kompost herstellen. Er beriet Entwicklungshilfeprojekte. Irgendwann war er bei der Anlage eines ökologischen Freizeitparks in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa engagiert. Nach einer großen Feier mit Zehntausenden Teilnehmern blickte er auf deren Hinterlassenschaften: Polyethylenterephthalat. Zehntausende leere PET-Flaschen flogen in der Gegend herum. Und das nicht nur hier. Überall im Land. In allen Drittweltländern. Milliardenfach verdrecken die leichten Plastikflaschen Länder, Flüsse, Strände, Ozeane. Da hatte Froese eine Idee.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Dorfversammlung hat entschieden. Drei Häuser soll Andreas Froese bauen. Man hatte eine Abordnung in die Stadt geschickt, die sich diese seltsamen Plastikflaschenhäuser anschauen sollte. Die Leute kamen beeindruckt zurück. Richtige Häuser! Nicht zuletzt hat auch das Engagement der irisch-katholischen Entwicklungsorganisation Trocaire überzeugt, die Geld bereitstellen will. José und Ana gehören zu den Erwählten. Der erste Schritt ist der schwerste. Um einen Bauplatz zu bekommen, müssen sie ihr altes Elendsquartier abfackeln. Eine Vertrauensübung. Sie bekommen für die Bauzeit einen Notverschlag.</p>
<p style="text-align: justify;">Ein Fundament wird gegossen. Ein Lkw kommt aus der nächsten Stadt. Randvoll mit Plastikflaschen. Dann gibt es Arbeit für das ganze Dorf. Alt und Jung werfen Erde und Bauschutt durch große Siebe. Flasche für Flasche wird mit Dreck gefüllt – das ergibt das neue Baumaterial. Maurer kommen und zeigen den Dorfleuten, wie man die Flaschen aufeinanderschichtet, mit Lehm oder Mörtel vermauert und mit alter Nylonschnur oder Stacheldraht von der Müllkippe verbindet. José und Ana sehen zum ersten Mal in ihrem Leben eine Maurerkelle und eine Wasserwaage. Wände entstehen, mit Fenstern, an den Ecken aus Flaschen gemauerte Rundpfosten, obendrauf kommt ein Blechdach. Am Ende wird das Ganze mit Lehm verschmiert und angemalt. Fertig.</p>
<p style="text-align: justify;">
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/ana-steckt-altes-haus-an-540x304.jpg" title="José und Ana (im Bild), ein Paar aus Guatemala bekommen ein Haus aus PET-Flaschen. Um Platz dafür zu schaffen, muss die alte Hütte weichen." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="ana-steckt-altes-haus-an-540x304" alt="ana-steckt-altes-haus-an-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_ana-steckt-altes-haus-an-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/alte-hatte-neuer-baustoff-540x304.jpg" title="Nun muss das ganze Dorf mit anpacken: Hunderte Plastikflaschen werden mit Bauschutt und Erde gefüllt und dienen so als Ziegelersatz." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="alte-hatte-neuer-baustoff-540x304" alt="alte-hatte-neuer-baustoff-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_alte-hatte-neuer-baustoff-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/hausbau-540x304.jpg" title="Maurer zeigen den Dorfbewohnern, wie man die Flaschen aufeinanderschichtet. Sie werden mit Lehm oder Mörtel vermauert, als Befestigung dienen ausserdem alte Nylonschnüre und Draht." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="hausbau-540x304" alt="hausbau-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_hausbau-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/hausbau-2-540x304.jpg" title="So entstehen Wände mit Fenstern und Ecken aus gemauerten Rundpfosten." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="hausbau-2-540x304" alt="hausbau-2-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_hausbau-2-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/haus-fertig-540x304.jpg" title="Dann wird das ganze verputzt und obendrauf kommt noch ein Dach aus Wellblech." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="haus-fertig-540x304" alt="haus-fertig-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_haus-fertig-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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			<a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/buntes-pet-haus-540x304.jpg" title="Mit Farbe angestrichen ist das Flaschenhaus kaum von normalen Häusern zu unterscheiden." class="thickbox no_icon" rel="set_5">
								<img title="buntes-pet-haus-540x304" alt="buntes-pet-haus-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/gallery/pet-flaschen/thumbs/thumbs_buntes-pet-haus-540x304.jpg" width="100" height="75" />
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</p>
<p style="text-align: justify;">Die Idee, herumfliegende Plastikflaschen zu füllen und als Bausteine zu nutzen, hatten auch andere. <a  href="http://www.united-bottle.org/" target="_blank">2008 konnte man auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos das Projekt United_Bottle der deutschen Architekten Dirk Hebel und Jörg Stollmann kennenlernen.</a> Im Unterschied zu Froese planten die beiden jedoch mit speziell designten Flaschen, die man ineinanderstecken kann. Die United_Bottle setzt den guten Willen der Getränkehersteller voraus. Andreas Froese konnte dagegen mit dem vorhandenen Material, das normalerweise die Erdoberfläche verschmutzt, sofort anfangen. <a  href="http://www.eco-tecnologia.com/portal/intro.php" target="_blank">Schon 2001 gründete er in Honduras die Firma ECO-TEC</a>.</p>
<p style="text-align: justify;">Fünfzig Bauten hat ECO-TEC mittlerweile realisiert, in Honduras, Kolumbien oder Indien. Darunter sind auch Wassertanks für 1600 oder 24.000 Liter – die verschnürte und verschmierte Konstruktion aus PET-Flaschen hält selbst hier. Meist aber baut ECO-TEC Wohnhäuser. Nur wenn Behörden auf einen offiziellen Nachweis der Erdbebensicherheit bestehen, muss Froese passen. Um solche Formalitäten hat er sich noch nie gekümmert, er verweist nur darauf, dass seine Bauwerke Erdbeben bis zur Stärke 7,3 ohne Schaden überstanden haben. Oder dass ein Haus tagelang bis zum Dach in einem über die Ufer getretenen Fluss stand – und danach nur gereinigt werden musste. Die Ursache für diese Standfestigkeit sieht Froese in der Flexibilität seiner PET-Häuser. Offenbar kommt eine nachgiebige Konstruktion besser mit rabiaten Naturgewalten zurecht als starrer Beton.</p>
<p style="text-align: justify;">In Yoro standen 2005 nach vier Monaten drei schmucke Neubauten. Jedes Haus hatte gerade mal 3000 Dollar gekostet, Geld, das von der Entwicklungsorganisation Trocaire gekommen war. Denn für Arme ist auch diese Summe unerschwinglich. Zinn fürs Dach, Zement und Kies kosten Geld, auch wenn ansonsten Müll verbaut wird. Zur Not lässt sich ein Dach ebenso aus alten Schläuchen von Autoreifen basteln, und statt Zement tut es Lehm, der leicht nachzubessern ist. Der größte Triumph erwartet Andreas Froese indes ein paar Jahre später. Da erfährt er, dass ohne jede externe Hilfe die Dorfbewohner im weiten Umkreis mindestens acht weitere Plastikflaschen-Häuser gebaut haben. Die haben das gelernt!</p>
<p style="text-align: justify;">»Ein Junge, der mit mir in Bolivien zusammen ein Haus gebaut hat, war zwei Jahre später ein Maurer!«, sagt Froese stolz. Er baut eben nicht nur gemeinsam mit Armen Häuser, er initiiert auch soziale Prozesse. Wie stolz die Leute sind, wenn sie erstmals aus eigener Kraft so ein Projekt realisieren! Als Nebeneffekt fällt womöglich eine Professionalisierung ab.</p>
<p style="text-align: justify;">Andreas Froese ist derzeit in Deutschland unterwegs. Ein Film über ihn entsteht. Er sucht den Kontakt zu den Medien. Zwar hat er einige Preise und Auszeichnungen erhalten – doch nur in Mittelamerika. Die großen internationalen Hilfsorganisationen kennen ihn und seine Arbeit, die er auf<a  href="http://www.eco-tecnologia.com/">www.eco-tecnologia.com</a> präsentiert, kaum. Dabei könnten gerade im Augenblick viele Menschen von seiner Erfindung profitieren. In Haiti droht nach dem schrecklichen Erdbeben die nächste Katastrophe, wenn im Mai die Regenzeit beginnt und danach die Hurrikan-Saison einsetzt. Millionen haben kein Dach über dem Kopf. PET-Flaschen aber gibt es in dem Karibikstaat genug.</p>
<p style="text-align: justify;">Bevor das ECO-TEC-Haus aber nennenswerter Bestandteil großer Hilfsprogramme werden kann, braucht es Architekten und Baufachleute, welche die bisherigen empirischen Ergebnisse und gefühlten Qualitäten des Bauens mit PET-Flaschen überprüfen: Statik, Sicherheit, Alterungsverhalten und anderes mehr. Andreas Froese hofft, unter den Experten in Forschung und Lehre Gleichgesinnte zu finden: »Es geht nicht darum, Leuten Häuser zu bauen, die schon eins haben.«</p>
<p style="text-align: justify;">source: <a  href="http://www.zeit.de/2010/09/PET-Haus?page=1" target="_blank">www.zeit.de </a></p>
<p style="text-align: justify;">Bildquelle: <a  href="http://www.zeit.de/2010/09/PET-Haus?page=1" target="_blank">www.die zeit.de</a></p>
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		<title>Nicht nur Reis verteilen</title>
		<link>http://www.haiti.lu/2010/03/nicht-nur-reis-verteilen/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 16:43:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dossiers thématiques]]></category>
		<category><![CDATA[Séisme en Haïti]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach dem Erdbeben in Haiti erwartet die Welt schnelle Erfolge. Doch wirksame Hilfe braucht Zeit!
Minuten nachdem die Erde in Haiti bebte, erreichen die ersten Bilder den Rest der Welt. Die Hilfsmaßnahmen können sofort eingeleitet, die Flugzeuge ohne Probleme gechartert werden. Alle landen geordnet auf dem Flughafen von Port-au-Prince, die Straßen werden flugs frei geräumt und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Nach dem Erdbeben in Haiti erwartet die Welt schnelle Erfolge. Doch wirksame Hilfe braucht Ze</strong>it!</h3>
<p style="text-align: justify;"><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/anstehen-fuer-essen-in-petionville.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-807" title="anstehen fuer essen in petionville"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-808" title="anstehen fuer essen in petionville" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/anstehen-fuer-essen-in-petionville-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Minuten nachdem die Erde in Haiti bebte, erreichen die ersten Bilder den Rest der Welt. Die Hilfsmaßnahmen können sofort eingeleitet, die Flugzeuge ohne Probleme gechartert werden. Alle landen geordnet auf dem Flughafen von Port-au-Prince, die Straßen werden flugs frei geräumt und Nahrungsmittel ohne großen Koordinierungsbedarf an die bedürftigen Menschen verteilt, die gelassen und geduldig auf Nahrung und Wasser warten. Innerhalb von wenigen Tagen ist die Katastrophe unter Kontrolle.</p>
<p style="text-align: justify;">Diese Erwartungshaltung scheint die Welt zu haben. Dank der bewegenden Bilder aus Haiti ist tatsächlich eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst worden, wie es sie seit dem Tsunami 2004 nicht mehr gegeben hat. Nach einer Katastrophe dieser Größenordnung ist für Misereor und andere Hilfsorganisationen eine unmittelbare Berichterstattung wichtig, weil sie die Hilfsbereitschaft der Menschen in Deutschland weckt. Ohne Spenden wäre keine Hilfe möglich. Doch je größer die internationale Aufmerksamkeit, desto größer die Gefahr, dass Krisen und Katastrophen eine Eigendynamik entwickeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum ohnehin großen Zeitdruck gesellt sich innerhalb kürzester Zeit der Erfolgsdruck – und bei hohem Spendenaufkommen auch der Zwang, sehr viel Geld in kurzer Zeit wirkungsvoll in Nothilfe umzusetzen. »Bei vielen Menschen ist die Hilfe noch nicht angekommen. Wie erklären Sie sich das?«, fragt uns schon drei Tage nach dem Beben der Reporter eines Fernsehsenders. Die Öffentlichkeit will Ergebnisse sehen. Und zwar schnell, möglichst 24 Stunden nach der Katastrophe. Jede Negativmeldung von unkoordinierter Hilfe, Gewaltausbrüchen auf Haitis Straßen und Menschen, die bei einer Verteilungsaktion leer ausgegangen sind, wird ausgiebig dokumentiert und kommentiert, nach dem Motto: Es wurde schnell gespendet, warum klappt die Hilfe jetzt nicht schnell?</p>
<p style="text-align: justify;">Die Erwartungshaltung, die hier aufgebaut wird, ist unrealistisch und kontraproduktiv. Eine Millionenstadt, die aussieht, als sei sie bombardiert worden, ein zerstörtes UN-Hauptquartier mit Hunderten toter UN-Mitarbeiter, eine handlungsunfähige Regierung, Tausende Verletzte – das sind die Probleme, mit denen die Hilfswerke und ihre Partner am Schauplatz einer Katastrophe zu kämpfen haben, abgesehen von zunächst nicht funktionierenden Banküberweisungen, zusammengebrochenen Telefon- und Handynetzen und ganz zu schweigen von getöteten und verletzten Mitarbeitern und Freunden vor Ort, Menschen, um die die Helfer selbst trauern.</p>
<p style="text-align: justify;">Angesichts der großen Not in den ersten Tagen nach einer Katastrophe ist es für die Hilfswerke schwer, den Drang zum blinden Aktionismus bei der Umsetzung von Projekten zurückzudrängen und dies auch noch Journalisten und Spendern verständlich zu machen. Die Realität sieht nun einmal anders aus, als blauäugige Beobachter es erwarten, und muss entsprechend erklärt werden, damit die vielen hilfsbereiten Spender in Deutschland nachvollziehen können, ob sinnvolle Nothilfe und nachhaltige Wiederaufbauhilfe geleistet werden. Sorgfältige Planung und gute Absprachen der Handelnden brauchen auch in der Nothilfe Zeit. Ein an den Bedürfnissen und Potenzialen der betroffenen Menschen ansetzender Wiederaufbau, der wirkliche Verbesserungen bringt, braucht noch viel mehr Zeit. Man denke nur an die gravierenden Fehler, die nach dem Tsunami 2004 im Indischen Ozean zu beobachten waren: Da wurden Menschen einfach Hilfsprogramme übergestülpt, ohne sie zu fragen, was nötig ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Wenn die Bevölkerung auch Monate nach der Katastrophe Essenslieferungen bekommt, obwohl sie sich längst wieder selbst versorgen könnte, ist das nicht nur ein vergebliches Bemühen, sondern ein Skandal. Denn die kostenlosen Nahrungsmittel zerstören regionale Handelsstrukturen, entziehen den lokalen Bauern ihre Lebensgrundlage und vergrößern den Schaden damit beträchtlich. Sie verhindern Entwicklung! Wenn Geld und Helfer massiv von außen in eine Krisenregion einströmen, ist die Gefahr groß, dass nicht nur das örtliche Preissystem völlig aus den Fugen gerät, sondern – noch viel gravierender – dass auch die Selbstständigkeit und Eigeninitiative der Menschen zugeschüttet werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die erste und wichtigste Nothilfe, die für Kameras oft nicht zu sehen ist, wird von den einheimischen Partnern der Hilfswerke und den Betroffenen selber geleistet. Doch häufig wird das Selbsthilfepotenzial der Bevölkerung nicht hinreichend wahrgenommen, kulturelle Vertrautheit, Sprach- und Ortskenntnisse sowie die Einbeziehung der vorhandenen Strukturen und Organisationsprozesse scheinen zu fehlen oder kaum eine Rolle zu spielen. Den Satz »Die Hilfsorganisationen XY liefern 50 Tonnen Lebensmittel in die betroffenen Gebiete« versteht jeder – und er lässt sich daher spendenwirksam kommunizieren. Viel schwieriger ist es dagegen, zu erklären, dass schon von Beginn der Katastrophe an die Selbsthilfekräfte mobilisiert werden müssen und dass die Menschen am Unglücksort nicht nur die erste Nothilfe, sondern auch den Neubeginn selbst in die Hand nehmen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Erst recht kompliziert wird es, wenn man vermitteln will, dass man keine Lebensmittel oder Fertighäuser einfliegt, sondern in Zusammenarbeit mit ortskundigen Partnern den Transport von Nahrungsmitteln aus Nachbarregionen oder die Beschaffung von lokalem Baumaterial organisiert – und dass dabei deutsche Helfer nicht zwingend gebraucht werden. Diese Bilder werden aber kaum gezeigt, vielleicht auch, weil sie wenig Identifikationsmöglichkeiten bieten. Wichtiger scheint es stattdessen zu sein, den deutschen Helfer mit dem deutschen Schäferhund zu zeigen, der nach Verschütteten sucht. Damit soll nicht der bewunderungswürdige und professionelle Einsatz vieler ausländischer Kräfte infrage gestellt werden. Aber diese Art der Berichterstattung blendet systematisch aus, dass die entscheidenden Nothelfer und Lebensretter der ersten Stunden die Überlebenden selbst sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei den enormen Summen, die gespendet werden, ist die Frage nach dem Einsatz der Mittel wichtig und gerechtfertigt. Unrealistischer Zeitdruck jedoch wird weder die Katastrophenhilfe verbessern noch einen sinnvollen Wiederaufbau befördern. Zeit ist eine entscheidende Ressource der Entwicklungszusammenarbeit.</p>
<p style="text-align: justify;">Entwicklungspolitische Prinzipien umsichtiger und sorgfältiger Planung von Maßnahmen, die von den Betroffenen selbst verantwortet werden, sind auch bei der Nothilfe wichtig. Sie erfüllen, wenn sie richtig verstanden werden, auch eine für die Zukunft wichtige präventive Funktion. So lässt sich eben das Ausmaß neuer Zerstörungen durch Erdbeben wesentlich reduzieren, wenn man erdbebensichere Bautechniken fördert. Und die jetzt für Haiti noch viel drängendere Beantwortung der Frage, wie Ernährungssicherung und Erosionsschutz als Grundlage nachhaltiger ländlicher Entwicklung gelingen kann, muss an die durchaus vorhandenen positiven Ergebnisse der kirchlichen Entwicklungsarbeit in diesem Land anknüpfen.</p>
<p style="text-align: justify;">Es war schon immer schwieriger, komplexe Sachverhalte in den Medien darzustellen als tatsächlich oder nur scheinbar einfache Lösungen. Die (Spenden-)Kommunikation ist eine ebenso große Herausforderung wie der Kampf gegen Not und Armut selbst. Alle Seiten – Hilfsorganisationen, Medien wie auch die Spender – sollten sich daher gemeinsam verantwortlich dafür fühlen, dass eine seriöse Berichterstattung über entwicklungspolitische Zusammenhänge wie über Katastrophen wirklich nur einem Zweck dient: der nachhaltigen Hilfe für und durch die Betroffenen selbst.</p>
<p>source: <a  href="http://www.zeit.de/2010/08/P-op-ed?page=1" target="_blank">diezeit.de</a></p>
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		<title>Das Leiden nach dem Beben</title>
		<link>http://www.haiti.lu/2010/03/das-leiden-nach-dem-beben/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 16:35:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Séisme en Haïti]]></category>

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		<description><![CDATA[Verschüttete eines Erdbebens haben ganz typische Verletzungen. Ein Gespräch mit einem deutschen Chirurgen, der in Haiti Opfer operierte.

Schlimmste Quetschverletzungen führten bei den Überlebenden des Erdbebens auf Haiti zu zahlreichen Amputationen. Auch der 21-Jährige Junol Morancy verlor seinen rechten Unterschenkel.






DIE ZEIT: Am Wochenende hat ein Erdbeben in Chile viele Opfer gefordert. Sie haben gerade drei Wochen lang in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Verschüttete eines Erdbebens haben ganz typische Verletzungen. Ein Gespräch mit einem deutschen Chirurgen, der in Haiti Opfer operierte.</h4>
<p><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/haiti-erdbebenopfer-amputation-540x304.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-802" title="haiti-erdbebenopfer-amputation-540x304"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-803" title="haiti-erdbebenopfer-amputation-540x304" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/haiti-erdbebenopfer-amputation-540x304-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a></p>
<p>Schlimmste Quetschverletzungen führten bei den Überlebenden des Erdbebens auf Haiti zu zahlreichen Amputationen. Auch der 21-Jährige Junol Morancy verlor seinen rechten Unterschenkel.</p>
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<p style="text-align: justify;"><strong>DIE ZEIT: </strong><a  href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-02/chile-erdbeben-tsunami-pazifik" target="_blank">Am Wochenende hat ein Erdbeben in Chile viele Opfer gefordert</a>. Sie haben gerade drei Wochen lang <a  href="http://www.zeit.de/themen/gesellschaft/erdbeben-haiti-2010/index" target="_blank">in Haiti geholfen</a>. Was bedeutet Chirurgie in so einem Katastrophengebiet?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Matthias Richter-Turtur:</strong> Diese beiden Länder kann man nicht vergleichen. In Haiti sind sehr viele Menschen umgekommen, wegen der leichten Bauweise der Gebäude haben aber auch sehr viele Menschen schwer verletzt überlebt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>ZEIT:</strong> Welche Verletzungen haben solche Opfer?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Richter-Turtur: </strong>In Haiti gab es vor allem schlimmste Quetschverletzungen. Daher mussten leider oft Amputationen durchgeführt werden, weil die schwer zerstörten Gliedmaßen nicht mehr zu retten waren. Häufig hatten wir Nekrosen zu behandeln, genauer: abgestorbene Bereiche der Weichteile. Die entstehen durch Quetschungen, die lange verschüttete Menschen erleiden. Diese Verletzungen werden den Opfern dort noch lange zu schaffen machen, denn sie wachsen nicht von selbst zu. Die Wunden müssen durch plastische Operationen versorgt werden. Die begehrtesten ärztlichen Instrumente waren in Haiti sogenannte Dermatome, damit kann man gesunde Haut für eine Transplantation entfernen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>ZEIT:</strong> Dann waren Knochenbrüche wohl die harmloseren Verletzungen?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Richter-Turtur: </strong>Nicht ganz. Offene Brüche bringen die Gefahr einer Infektion mit sich, wenn die Opfer längere Zeit verschüttet waren. Besonders schlimm aber sind die Lähmungen. Durch die Quetschungen, die Verschüttete erleiden, kommt es zu einer dauerhaften Schädigung der peripheren Nerven. Das ist wie mit einem eingeschlafenen Bein, wenn man unglücklich auf der harten Kirchenbank gesessen hat. Dauert das Stunden oder gar Tage an, bleibt die Lähmung bestehen. Das führt zu schrecklichen Situationen: Wir hatten da junge Frauen – ein Arm amputiert, der andere gelähmt. Die sind für immer auf fremde Hilfe angewiesen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>ZEIT:</strong> Wie viele Opfer haben Sie operiert?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Richter-Turtur:</strong> Gezählt habe ich nicht, es dürften um die 120 gewesen sein.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>ZEIT:</strong> Unter welchen Bedingungen haben Sie behandelt?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Richter-Turtur: </strong>Wir hatten ein leer stehendes Kinderkrankenhaus zur Verfügung. Dort gab es einen kleinen OP-Raum mit einem heruntergekommenen Operationstisch und einem defekten Narkosegerät. Da ist operative Tätigkeit nur eingeschränkt möglich. Bei differenzierten Eingriffen wäre die Infektionsgefahr viel zu groß.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>ZEIT:</strong> Betäubungsmittel und Instrumente hatten Sie mitgebracht?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Richter-Turtur: </strong>Natürlich. Auch sonst gibt es einfache Mittel, um zu helfen. Die Knochenbrüche wurden durchweg mit einem Stangen-Schrauben-System behandelt. Damit werden die Knochenteile extern fixiert, und man muss den Knochen nicht freilegen. Allerdings wird daher in Kürze eine Welle von Patienten auf die Kliniken zukommen, bei denen die Fixateure wieder entfernt werden müssen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>ZEIT:</strong> Worauf muss ein Arzt bei Operationen in Katastrophengebieten besonders achten?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Richter-Turtur: </strong>In Haiti, wie auch in vielen anderen Entwicklungsländern, ist immer zu bedenken, dass es sich um HIV-infizierte Patienten handeln könnte. Ich arbeite daher mit doppelten Handschuhen. Man muss sich flexibel auf sehr schwierige Arbeitsverhältnisse einstellen: keine OP-Schwester, die einem die Instrumente reicht, keine perfekte Anästhesie, alles wird improvisiert.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>ZEIT:</strong> Wie entscheiden Sie in so einer Situation, wen Sie zuerst behandeln?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Richter-Turtur: </strong>Was schnell erledigt werden kann, wird zuerst gemacht, die komplizierteren Fälle danach. Man muss aber wissen: Die Patienten, die es unter diesen Bedingungen geschafft haben, bis in das Krankenhaus zu kommen, haben die Akutphase der Katastrophe schon überlebt und kamen nicht mit einer vitalen Bedrohung. Die Triage, wie sie bei uns bei einem Großschadensereignis notwendig ist – die Einteilung in hoffnungslose Fälle, in dringliche und solche, die warten können–, war in dieser Form nicht nötig.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>ZEIT:</strong> Wäre manche Amputation unter hiesigen Bedingungen zu vermeiden gewesen?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Richter-Turtur: </strong>Sicherlich hätte man in Deutschland bei wenigen Fällen bessere Voraussetzungen gehabt, um zu retten, was vielleicht zu retten ist. Aber in der Regel waren die Amputationen unvermeidbar – einfach durch die Art der Verletzungen.</p>
<p style="text-align: justify;"><a  href="http://www.isarkliniken.de/cms/de/aerzte/alphabetische-uebersicht/prof-drmed-matthias-richter-turtur" target="_blank"><em>Matthias Richter-Turtur ist Professor und Facharzt</em></a><em> für Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie am Isar Medizin Zentrum in München.</em><a  href="http://www.isarkliniken.de/cms/de/node/324" target="_blank"><em>Nach dem Beben in Haiti hat er am Ort Opfer versorgt und behandelt</em></a><em>.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Das Gespräch führte <strong>Ulrich Bahnsen</strong></em></p>
<p>source: <a  href="http://www.zeit.de/2010/10/M-Haiti" target="_blank">diezeit.de</a></p>
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		<title>Raoul Peck zeigt Haiti-Drama</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 15:36:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Berlin (ddp). Erst wenige Wochen liegt das schwere Erdbeben in Haiti zurück. Das große mediale Interesse für das Schicksal der Menschen dort hat sich wieder gelegt. Umso bedeutender ist, dass auf der Berlinale mit dem Politdrama &#8220;Moloch Tropical&#8221; ein Film läuft, der die prekäre politische Lage der karibischen Republik, die 1804 ihre Unabhängigkeit erlangte, beleuchtet.
Gedreht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/raoul-Peck.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-798" title="raoul Peck"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-799" title="raoul Peck" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/raoul-Peck-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>Berlin (ddp). Erst wenige Wochen liegt das schwere Erdbeben in Haiti zurück. Das große mediale Interesse für das Schicksal der Menschen dort hat sich wieder gelegt. Umso bedeutender ist, dass auf der Berlinale mit dem Politdrama &#8220;Moloch Tropical&#8221; ein Film läuft, der die prekäre politische Lage der karibischen Republik, die 1804 ihre Unabhängigkeit erlangte, beleuchtet.</p>
<p style="text-align: justify;">Gedreht wurde der Film, der in der Reihe Berlinale Special läuft, von dem 1953 in Haiti geborenen Regisseur Raoul Peck. Nach &#8220;Haitian Corner&#8221; (1988) und &#8220;Der Mann auf dem Quai&#8221; (1993) realisierte er damit erstmals wieder einen Kinofilm in Haiti. Darin geht es um die letzten 24 Stunden eines demokratisch gewählten Präsidenten vor seinem Sturz. Während der Präsident zu einer Feier auf seiner Bergfestung internationale Gäste erwartet, bricht in der Hauptstadt eine Revolte los, die er von seinen Milizen niederknüppeln lässt.<br />
In &#8220;Moloch Tropical&#8221; wollte Peck hinter die Kulissen der Macht schauen. &#8220;Haiti war dabei für mein Thema nur ein persönliches Laboratorium, das ich gut kenne&#8221;, sagte Peck im ddp-Gespräch. &#8220;Wenn ich von Haiti erzähle, spreche ich zugleich über die Welt.&#8221; Er habe viele Reiseeindrücke und Beobachtungen aus aller Welt in das Drehbuch eingebracht. &#8220;Insofern lässt sich der Film nicht nur auf haitianische Präsidenten beziehen, sondern auch auf Politiker wie Richard Nixon, Bill Clinton, Silvio Berlusconi oder Wladimir Putin.&#8221;<br />
Ihm sei es vor allem darum gegangen, &#8220;das Verhalten der Mächtigen und ihrer Umgebung zu studieren&#8221;. Dabei würden sich viele Mitläufer von Machthabern wie Kinder aufführen, die nicht mehr selber denken könnten: &#8220;Sie machen jeden eigenen Schritt von dem abhängig, was der Machthaber sagt.&#8221; Eines wollte Peck auf jeden Fall vermeiden: den gewählten Präsidenten als Diktator diffamieren. &#8220;Deshalb zeige ich ihn auch als menschliches Wesen mit menschlichen Schwächen&#8221;, sagte der Regisseur. Allerdings arbeite der Film auch heraus, wie leicht Machthaber die Grenzen überschritten und ihre Macht missbrauchten. Etwa in einer schonungslos direkten sexuellen Forderung an Frauen.</p>
<p style="text-align: justify;">Peck kennt das Politikermetier aus eigenen Anschauung. 1996/1997 war er in Haiti Kulturminister. Seitdem ist er davon überzeugt: &#8220;Politik ist die gewalttätigste Welt, die ich kenne. Dort verraten sich sogar die besten Freunde gegenseitig.&#8221; Und wer sein Amt verliere, der sei plötzlich ein Niemand, nach dem sich keiner erkundige.<br />
Als Filmthema ließ Peck, der ein Filmstudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin absolvierte, die Politik aber nicht los. Schon mit seinem zweiten langen Film &#8220;Lumumba &#8211; Tod des Propheten&#8221; (1992) über den zairischen Freiheitskämpfer und Politiker Patrice Lumumba gelang Peck, der als Kind mit seiner Familie nach Kinshasa zog, der internationale Durchbruch. Vor fünf Jahren lief sein erschütterndes Drama &#8220;Sometimes in April&#8221; über den Völkermord in Ruanda im Berlinale-Wettbewerb. Als nächstes Projekt bereitet er einen Spielfilm über den jungen Karl Marx vor.<br />
Derzeit versucht der Filmemacher allerdings vor allem, seinen haitianischen Landsleuten zu helfen. Nur wenige Tage nach dem Erdbeben reiste er nach Haiti und verbrachte dort zwölf Tage. Mitgebracht hat er von dort den Eindruck: &#8220;Es gibt eine große gemeinsame Sehnsucht nach Veränderung und einer Nation mit mehr Gleichheit.&#8221; Dabei könnten auch die westlichen Länder helfen, &#8220;indem sie sehr demütig und aufmerksam zuhören, was die Einheimischen über ihre wahren Bedürfnisse und langfristigen Ziele sagen.&#8221;<br />
ddp/rkr/nat</p>
<p>source: <a  href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/dossiers_spezials/spezialberlinale_2010/2323023_Politischer-Film-Raoul-Peck-zeigt-Haiti-Drama.html" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a></p>
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		<title>Dollars für den Tod &#8211; Pennies für das Leben</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 15:28:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dani</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dossiers thématiques]]></category>

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		<description><![CDATA[von Norman Solomon
Norman Solomon ist ein amerikanischer Journalist, Medienkritiker und Antikriegs-Aktivist.
Als das US-Militär am Wochenende (Presidents&#8217;s Day) eine Großoffensive in Südafghanistan startete, war vorauszusehen, dass Frauen und Kinder getötet würden. Vergessen Sie die hehre Rhetorik: Tote dieser Art sind Begleitumstände von Krieg, von Besatzung.
Mitte Januar versprach Präsident Obama $100 000 Millionen Regierungshilfe für das vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><a  href="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/norman-solomon.jpg" class="thickbox no_icon" rel="gallery-794" title="norman solomon"><img class="alignleft size-full wp-image-795" title="norman solomon" src="http://www.haiti.lu/wp-content/2010/03/norman-solomon.jpg" alt="" width="200" height="132" /></a>von Norman Solomon</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Norman Solomon ist ein amerikanischer Journalist, Medienkritiker und Antikriegs-Aktivist.</em></p>
<p style="text-align: justify;">Als das US-Militär am Wochenende (Presidents&#8217;s Day) eine Großoffensive in Südafghanistan startete, war vorauszusehen, dass Frauen und Kinder getötet würden. Vergessen Sie die hehre Rhetorik: Tote dieser Art sind Begleitumstände von Krieg, von Besatzung.</p>
<p style="text-align: justify;">Mitte Januar versprach Präsident Obama $100 000 Millionen Regierungshilfe für das vom Erdbeben verwüstete Haiti. Vergleichen Sie die Summe mit den $100 Milliarden, die Amerika ausgibt, um 100 000 US-Soldaten ein Jahr lang in Afghanistan zu halten.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Kommandeure in Afghanistan haben eine Operation gestartet, die von der New York Times als &#8220;die größte offensive Militäroperation seit der Afghanistan-Invasion der Koalition unter Führung der USA im Jahr 2001&#8243; bezeichnet wurde.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Situation auf Haiti ist verzweifelt, das ist klar.</p>
<p style="text-align: justify;">Über eine Million Haitianer sind immer noch obdachlos. Das ist eine enorm hohe Zahl. Laut neuesten Schätzungen verfügen die meisten &#8211; rund 75 Prozent &#8211; noch nicht einmal über Zelte oder Planen. Die Regenzeit steht kurz bevor.  Typhus und Durchfallerkrankungen könnten zu einer echten Bedrohung werden.</p>
<p style="text-align: justify;">In Afghanistan gehen die Bomben nicht aus, und in Haiti herrscht tödlicher Mangel an Zelten. Das meine ich nicht rhetorisch. Ich spreche von einer Prioritätensetzung, die schon Routine ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Sommer 2009 sah ich hunderte Kinder und erwachsene Zivilisten in einem Flüchtlingslager in Kabul (Distrikt 5). Sie stammten aus der Provinz Helmand. Die US-Regierung verfügt über ungeheure Ressourcen, um die Wohngebiete dieser Menschen, im Tal von Helmand, zu bombardieren, aber sie tut nichts für die verzweifelten Vertriebenen, die in die Hauptstadt Kabul geflohen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch in Amerika finden sich Parallelen für diese Art der Prioritätensetzung. Die militärischen Falken und die Defizit-Falken marschieren in geschlossener Formation die Pennsylvania Avenue hinunter. Das US-Schatzamt hält hohe Summen für den Krieg in Afghanistan bereit. Wenn es sich um innenpolitische Ausgaben dreht, um die Bedürfnisse der BürgerInnen zu befriedigen &#8211; beispielsweise durch die Schaffung von Arbeitsplätzen -, sieht die Sache dagegen anders aus.</p>
<p style="text-align: justify;">Viele einkommensschwache amerikanische Haushalte werden von der Last der Arbeitslosigkeit erdrückt. Unter den amerikanischen Haushalten, deren Jahreseinkommen 2009 unter $12 500 lag, befanden sich im letzten Quartal des Jahres &#8220;unglaubliche 30,8 Prozent&#8221; Arbeitslosenhaushalte &#8211; so Bob Herbert in einem Artikel vom 9. Februar. &#8220;Das liegt mehr als 5 Prozentpunkte über der allgemeinen Arbeitslosenquote, damals, auf dem Höhepunkt der Depression&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Und Herbert fügt hinzu: &#8220;Die nächst höhere Einkommensklasse &#8211; deren jährliche Einkommen zwischen $12500 und $20 000 liegen -, weist eine Arbeitslosenrate von 19,1 Prozent auf. Es sind Arbeitslosenquoten dieser Art, die Familien, die bereits mit mageren Einkommen zu kämpfen haben, in die Armut stürzen&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Die heutige Situation ist vergleichbar mit der Situation, mit der sich Martin Luther King Jr. 1967 konfrontiert sah. Damals forderte er den Kongress heraus: Dieser zeige sich &#8220;den Armen gegenüber feindselig&#8221;. &#8220;Militärgelder würden emsig und großzügig&#8221; bereitgestellt, während man sich beim Thema &#8220;Armutsfonds&#8221; &#8220;wie Geizhälse&#8221; verhalte.</p>
<p style="text-align: justify;">Es ist diese Art von Prioritätensetzung, die täglich Menschenleben kostet &#8211; hier und an fernen Orten.</p>
<p style="text-align: justify;">Anfang Februar veröffentlichte der &#8216;National Council of Churches&#8217; &#8211; der nationale Rat der amerikanischen Kirchen &#8211; einen Artikel der Theologen George Hunsinger und Michael Kinnamon, in dem sie schrieben: &#8220;Was die Haitianer offensichtlich am meisten brauchen, ist massive humanitäre Hilfe. Sie benötigen, Nahrung, Wasser, medizinische Versorgungsgüter. Sie benötigen Unterkünfte und materiellen Wiederaufbau&#8230; Mehr als die Hälfte der Haitianer sind Kinder -  15 Jahre alt oder jünger. Viele von ihnen waren schon obdachlos und hungrig, bevor das Erdbeben zuschlug&#8221;.</p>
<p style="text-align: justify;">Doch dieser Kriegsstaat &#8211; mit seinem enormen Budget für militärische Aufgaben &#8211; hat sehr wenig Geld für den Erhalt von Menschenleben übrig. Solche Prioritätensetzungen sind tödlich.</p>
<p style="text-align: justify;">source: <a  href="http://zmag.de/autoren/Norman-Solomon" target="_blank">znet</a></p>
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